Kreis Mettmann. Bei den Bürgerinitiativen gegen die CO-Pipeline herrschte am Donnerstag Bombenstimmung, bei der Bezirksregierung Düsseldorf hingegen Gelassenheit. Anlass war ein Schreiben der Bezirksregierung vom 3. Juli, aus dem hervorgeht, dass bei den Bauarbeiten an der Trasse für die Pipeline offensichtlich das Thema Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg nicht ausreichend beachtet worden ist. Somit würde eine Betriebnahme einer Pipeline nicht in Betracht kommen.
Eine Auflage der Bezirksregierung ist nämlich, dass die Firmen Bayer und Wingas nachweisen müssen, dass das Gelände rechts und links der Pipeline frei von Kampfmittelresten ist. Das können Blindgänger von Fliegerbomben oder Munitionsreste aus Schützengräben sein.
Dieser Nachweis der Kampfmittelfreiheit hätte eigentlich vor Beginn der Bauarbeiten erbracht werden müssen. Für den Nachweis ist in erster Linie die Firma Wingas zuständig, weil sie federführend beim Bau der Trasse ist und selbst eine Erdgasleitung neben der Kohlenmonoxid-Pipeline verlegt.
„Wie viele Bomben liegen noch im Boden?“
Dieter Donner, Sprecher der Bürgerinitiativen
„Auf die Gefahr von Bomben- und Granatenresten entlang der Pipeline-Trasse haben wir Regierungspräsident Jürgen Büssow schon bei einem Gespräch im September 2007 hingewiesen“, sagte Dieter Donner, Sprecher der Bürgerinitiativen. Anlass war der Fund einer alten Granate im Juni 2007 an der Düsseldorf/Duisburger Stadtgrenze gewesen.
Eine Granate war dem Baggerführer aus der Schaufel gefallen
In 25 Metern Entfernung zu einem Garten waren damals die Pipeline-Bauarbeiten in Gang. Anwohner Hartmut Wandt saß gerade auf dem Balkon, als die Geräusche der Baufahrzeuge plötzlich verstummten. „Stattdessen waren Rufe und Satzfetzen zu hören. ,Bombe!’”, erzählte Hartmut Wandt Donnerstag. „Wir sind hingelaufen und sahen etwas im Graben liegen.” Eine Granate war dem Baggerführer aus der Schaufel gefallen.
„Obwohl das mit dem Granatenfund seit Juni 2007 bekannt war, hat Bayer im März diesen Jahres noch einen Eilantrag auf vorzeitige Inbetriebnahme gestellt. Das ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, sagt Dieter Donner.
Für die Bezirksregierung ist klar, dass es ohne einen Nachweis der Kampfmittelfreiheit auch keine Genehmigung zur Inbetriebnahme gibt. „Wir haben das alles im Blick. Seit 2004 haben wir von Wingas und Bayer die nötigen Bescheinigungen gefordert“, sagt Bernd Hamacher, Sprecher der Bezirksregierung.
„Im schlimmsten Fall muss alles noch einmal aufgegraben werden.“
Christian Zöller, Bayer-Pressesprecher
Für die Firma Bayer ist der aktuelle Zustand nicht beunruhigend. „Wingas hat uns versichert, dass die Trasse kampfmittelfrei sein wird. Wir sind uns daher auch sicher, dass Wingas alle nötigen Unterlagen vorlegen wird“, sagt Bayer-Pressesprecher Christian Zöller. Betroffen sei auf keinen Fall die komplette Trasse von 68Kilometern, sondern nur kleine Flächen. „Da wird alles mit Detektoren untersucht. Im schlimmsten Fall muss auch alles wieder aufgegraben werden“, so Zöller.
68 Kilometer der Trasse wurden durch Luftbildaufnahmen geprüft
Für Wingas sind die Arbeiten entlang der Trasse so gelaufen, wie sie auch geplant waren. „Der Kampfmittelräumdienst hat auf der etwa 68 Kilometer langen Trasse anhand von Luftbildaufnahmen zwei Flächen ausgemacht, auf denen möglicherweise jeweils eine nicht detonierte Fliegerbombe vermutet worden war. Bei Untersuchungen des Kampfmittelräumdienstes vor Ort im September 2007 stellte sich jedoch heraus, dass keine Blindgänger existierten“, betont Wingas-Pressesprecher Nicholas Neu.
Wenn jetzt noch eine Fläche – die Rede ist von 2000 Quadratmetern – unsicher sei, dann würden dort Untersuchungen durchgeführt. Wo sich genau diese Fläche befindet, konnte Nicholas Neu nicht sagen. „Erst wenn das letzte Loch gegraben wurde und dort nichts gefunden wird, ist die Kampfmittelfreiheit gegeben“, so der Wingas-Pressesprecher.







