Wuppertal. Das Jugendamt der Stadt Wuppertal steht unter Verdacht, den gewaltsamen Tod der fünfjährigen Talea S. nicht verhindert zu haben, obwohl Mitarbeiter des Amtes von früheren Verletzungen des Mädchens gewusst haben sollen. Am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft die Räume des Jugendamtes durchsucht und Akten beschlagnahmt. Gegen Mitarbeiter wird nach Aussage von Staatsanwalt Rüdiger Ihl sowohl wegen des Verdachts auf unterlassene Hilfeleistung als auch auf fahrlässige Tötung durch Unterlassen ermittelt.
Das fünfjährige Mädchen war Dienstag vergangener Woche in der Kinderklinik Wuppertal-Barmen gestorben. Unter dringendem Tatverdacht steht ihre Pflegemutter Katja G., die derzeit in Untersuchungshaft sitzt. Die 38-jährige Pflegemutter hatte den Notarzt selbst informiert, seine Wiederbelebungsversuche waren letztlich erfolglos.
Aufgrund der vorläufigen Untersuchungsergebnisse geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass das Mädchen totgeschlagen wurde. Bei dem Kind wurden Hämatome als Spuren körperlicher Misshandlungen festgestellt. In den laufenden Ermittlungen der Staatsanwalt haben sich Anhaltspunkte ergeben, die darauf hinweisen, dass Jugendamtsmitarbeiter bereits vor dem Tod des Mädchens von den Verletzungen gewusst haben.
Das deckt sich mit Vorwürfen, die die leiblichen Eltern gestern im Gespräch mit unserer Zeitung gegen das Jugendamt erhoben haben. Die kleine Talea war ihrer Mutter, die alkoholkrank ist, am 6. September 2007 abgenommen und zu der Pflegefamilie gebracht worden. Nach Auskunft der Mutter habe ihr bereits zwei Wochen vor dem Tod ihres Kindes eine Mitarbeiterin des Jugendamtes gesagt, dass sie sich Sorgen um Talea mache, diese sei „apathisch“. Das wollte die Stadt Wuppertal nicht bestätigen. Zuvor soll allerdings auch ein Notarzt das Mädchen mehrfach behandelt haben.
Der Wuppertaler Oberbürgermeister Peter Jung erklärte: „Wir werden die Staatsanwaltschaft aktiv bei den Ermittlungen unterstützen.“ Eine Beurlaubung der betroffenen Mitarbeiter lehnte er mit Hinweis auf die Unschuldsvermutung ab.




